Landkauf-Projekt: Der Hirschgrund bei Oberlungwitz
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Inmitten der landwirtschaftlich intensiv genutzten Hügellandschaft West-Sachsens liegt bei Oberlungwitz das ca. 400 ha Fläche umfassende Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Hirschgrund“, bestehend aus Feuchtwiesen, Grünland, Auwald und Mischwald. Dessen ca. 1 km langes und bis zu 200 m breites Wiesental wird auf voller Länge vom Hirschgrundbach durchflossen.
Der Hirschgrund bei Oberlungwitz im Winter © F. Leo
Der Hirschgrundbach © F. Leo
Der bisherige Schutz der noch leidlich naturnahen und vielgliedrigen Landschaftsstrukturen im Hirschgrund resultierte aus der jahrzehntelangen Nutzung des Wiesentals für die regionale Trinkwassergewinnung. Dieser Schutz begann aber wegen der Umstrukturierung der Trinkwasserversorgung auf Fernwasser und wegen der nahezu zeitgleich geplanten Beendigung der bisherigen landwirtschaftlichen Flächennutzung trotz des Landschaftsschutzgebiets-Status zunehmend verloren zu gehen.
Als Folge der Nutzungsaufgabe nahm die flächenhafte Inanspruchnahme der Hirschgrundbach-Aue und der Wiesenflächen durch die Öffentlichkeit für intensivere Formen der Naherholung und der Freizeitgestaltung zu.
Mit dem Ziel, diesen auch bundesweit zu beobachtenden Trend der uneingeschränkten Landschaftsnutzung durch Freizeitaktivitäten hier im Hirschgrund in landschafts-, natur- und artenverträgliche Bahnen zu lenken und damit auch den gesetzlichen Regelungen des bestehenden LSG wirkungsvoll Geltung zu verschaffen, erarbeitete die Stiftung Pro Artenvielfalt (SPA), Bielefeld in enger Zusammenarbeit mit ihrem lokalen Projektpartner, dem Landschaftspflegeverband Westsachsen e.V. (LPV), Neukirchen/Pleiße unter Einbindung der Stadt Oberlungwitz und der Agrargenossenschaft Lungwitztal eG ein zukunftsweisendes und für das Land Sachsen einzigartiges Landschaftsnutzungs- und Artenschutzkonzept:
In Erfüllung unseres satzungsgemäßen Auftrags, den Schutz bedrohter Wildtierarten und deren Lebensräume, und zur nachhaltigen Sicherung und Umsetzung des Projekts „Dreiklang aus Naturschutz-Landwirtschaft-Erholungsraum“ kaufte die Stiftung von der Agrargenossenschaft Lungwitztal eG im Jahr 2022 in einer 1. Flächenkauf-Tranche nahezu 24 ha (240.000 m2) Kernbereiche des Hirschgrundtals und der östlich gelegenen Hangflächen.
Blick in das Hirschgrundtal und auf die östlich gelegenen Hangflächen © SPA
Anfang des Jahres 2023 konnte die Stiftung von der Agrargenossenschaft Lungwitztal eG nach umfangreichen Flurstücksneuvermessungen weitere. 6,0 ha (60.000 m2) Grünlandflächen mitsamt 2 Teichen und neu aufgeforsteten Waldflächen auf der Westseite des Hirschgrunds kaufen. Mit nunmehr ca. 30 ha (300.000 m2) strukturreicher Gesamtfläche schafft die Stiftung der Biodiversität ein ausreichend großes Areal für deren Regeneration und für eine Neubesiedlung durch andernorts längst verschwundene Tier- und Pflanzenarten.
Dank der unterstützenden Projektförderung des Landes Sachsen aus dem Förder-Programm „Nachhaltig aus der Krise“ konnten die Stiftung Pro Artenvielfalt und der Landschaftspflegeverband Westsachsen e.V. als Projekt-Akteure wesentliche Naturschutz-Projektmaßnahmen zeitnah umsetzen. Dazu gehörten: Pflanzung von nahezu 6.500 gebietsheimischen Wildsträuchern wie Haselnuss, Schneeball, Pfaffenhütchen und Weißdorn und trockenheitsresistente Baumarten wie Eiche, Feldahorn, Wildkirsche, Speierling, Mehlbeere und Elsbeere, die Errichtung einer ca. 6 km langen Weidezaunanlage für die zukünftige extensive ganzjährige Offenlandbeweidung im Hirschgrund und die Schaffung eines interaktiven Naturlehrpfades mit 12 attraktiven Informationstafeln. Weiter wurde damit begonnen, auf der östlich gelegenen Hangkuppe des Hirschgrunds eine ca. 3 ha große Ackerfläche in eine arten- und blütenreiche Wiesenfläche umzuwandeln. Ein Wandlungsprozess, der sich über mehrere Jahre hinziehen wird.
Neue Heckenpflanzungen im Hirschgrund © M. Pfeifer
Informationstafel zum Thema „Wilde Weiden“ © SPA
So wie der Hirschgrundbach das Rückgrat für das neue „Wildnis-Projekt“ ist, wird der zentrale Wanderweg auf der Ostseite des Hirschgrundtals auf voller Länge des Projektgebiets zum attraktiven Naturerlebnispfad. Der bietet zukünftig Auge und Ohr sich ständig ändernde Eindrücke der laufenden Landschaftswandlung von einer Kulturlandschaft in eine von Schottischen Hochlandrindern extensiv genutzte und damit zunehmend umgestaltete neue Naturlandschaft.
Highland Cattle (Schottische Hochlandrinder) - wirkungsvolle Wildnisgestalter © M. Werner
Im Landkreis Zwickau (Sachsen) entstehen so neue „Wilde Weiden“, die von dieser besonders robusten halbwilden Rinderrasse bei ganzjähriger Offenlandhaltung auf den Wiesenflächen gestaltet werden. Die schottischen Hochlandrinder (Highland Cattle) werden die Wiesenlandschaft mit ihrem arteigenen Lebensstil auf natürliche Weise zum Wohle und Nutzen der Artenvielfalt von Flora und Fauna verändern und damit neue Wildnis schaffen. Die Auwälder werden lichter, das Bachbett breiter, die Bachufer weniger steil und die Wiesenflächen werden unterschiedlich hohen Bewuchs zeigen.
Die schottischen Hochlandrinder sind das ganze Jahr über in der Landschaft © M. Pfeifer
Als segenreiche Folge dieser Offenlandbeweidung entstehen ökologisch wertvolle Nahrungs-, Reproduktions- und Überwinterungshabitate und Biotopnischen für eine Vielzahl von Tierarten, auch für solche, die andernorts längst verschwunden sind.
Schon im Spätherbst 2022 konnten Naherholungssuchende dort mit eigenen Augen beobachten, wie wertvoll selbst die Dunghaufen der Hochlandrinder für die Artenvielfalt sind. Nicht nur Stare, Bachstelzen und Grünspechte, sondern auch Grasfrösche, Ringelnattern und Igel nutzen diese insektenreichen Dunghaufen als Nahrungsplätze! So können naturinteressierte Menschen im Hirschgrund den Beginn des langsam wieder in Schwung kommenden natürlichen Kreislaufs der Natur beobachten.
Zur selbsterklärenden Information für die naherholungssuchenden Besucher des Hirschgrunds werden an dem von der Stiftung gekauften ehemaligen Brunnenhaus, das inzwischen zu einem Artenschutz- und Informationsgebäude umgebaut wurde, umfangreiche Schautafeln über die im Hirschgrund vorkommenden und neu zu erwartenden Tier- und Pflanzenarten informieren. Ergänzt werden diese Schautafeln durch QR-Codes, über die Naherholungssuchende entlang des zukünftigen Naturerlebnispfades vertiefende Informationen per Smartphone abrufen können.
Roter Milan, Eisvogel, Pirol, Goldammer, Feldlerche, Wiesenschafstelze, Kleinspecht, Kleiner Schillerfalter, Mädesüß-Permuttfalter, Blutrote Heidelibelle, Gebänderte Prachtlibelle, Fischotter, Ringelnatter, Knoblauchkröte
Rotmilan
© Pröhl/fokus-natur
Eisvogel
© A. Kneifel
Feldlerche
© FotoNatur
Fischotter
© Leo.fokus-natur
Ringelnatter
© Leo/fokus-natur
Knoblauchkröte
© Leo.fokus-natur
Kleiner Schillerfalter
© J. Halbauer
Blutrote Heidelibelle
© J. Halbauer
Gebänderte Prachtlibelle
© J. Halbauer
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