Landkauf-Projekt: Nordhausen
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Die Rüdigsdorfer Schweiz ist eine bis auf 350 m über das Meer ansteigende hohe Hügellandschaft bei Rüdigsdorf im Landkreis Nordhausen in Thüringen (Deutschland).
Diese Landschaft ist das letzte intakte Gipskarstgebiet in Thüringen und wurde auf ca. 3 km² Fläche im Jahr 1957 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Inzwischen wurde das Gipskarstgebiet von der EU zu einem zu schützenden Naturerbe erklärt, in dem es mehrere Erdfälle gibt.
Erdfälle sind teils schroffe Senken an der Erdoberfläche, die durch das Einbrechen nicht wasserlöslicher Deckschichten über einem natürlichen Hohlraum im Untergrund entstehen. Ursache der Höhlenentstehung (Hohlraumbildung) ist die lösende Wirkung des Wassers auf leicht lösliche Gesteine wie Steinsalz, Gips, Kalkstein im Untergrund. Erdfälle sind Karsterscheinungen, die im Gipskarstgebiet des Südharzes typisch und relativ häufig sind. In Thüringen gibt es geschätzt bis zu 8.000 solcher Erdfälle.
Unsere herbstlichen Stiftungsflächen in der Rüdigsdorfer Schweiz © SPA
Im 20. Jahrhundert wurde in der Rüdigsdorfer Schweiz rund ein Drittel der Gipskarst-Naturlandschaft durch Gipsabbau zerstört.
Am 9. März 2004 verkündete der Thüringer Ministerpräsident das politische Aus der geplanten Gips-Tagebaue in der Rüdigsdorfer Schweiz. Eine Einbeziehung der geplanten Abbauflächen am Winkelberg und im Harzfelder Holz im Bereich Günzdorf in die FFH-Nachmeldungen wurde am 27.04.2004 vom Thüringer Kabinett verabschiedet. Für beide Gebiete steht nun die Einbeziehung in das NSG Rüdigsdorfer Schweiz an.
Die Gipsindustrie hat bisher ihre Abbauanträge Rüdigsdorf "Winkelberg" (Südharzer Gipswerk) und "Neustadt/Günzdorf" (BPB Formula) nicht zurückgezogen und arbeitet an neuen Plänen für die teilweise untertägige Gipsgewinnung, um doch noch einen Fuß in die Rüdigsdorfer Schweiz zu bekommen.
Anfang 2005 sollte der Gips-Abbau wieder aufgenommen werden, wurde jedoch durch Proteste der Einwohner verhindert. Das anhaltende Interesse der Gipsindustrie beruft sich auf bestehende Bergrechte.
Die südlich exponierten Wald- und Heckenränder und Bergwiesenflächen am Winkelberg bieten selbst im Winter oft schneefreie Flächen - und damit ein ideales, mäusereiches Jagdrevier für die dort noch vorkommenden scheuen Wildkatzen.
Unsere Bergwiesen-Flächen: Wildkatzen-Lebensraum © SPA
Als Ergebnis eines Forschungsprojektes der TU Dresden fällt dem Harz die Funktion einer Quellpopulation für umliegende ehemalige Wildkatzenlebensräume zu, die heute vom Harz aus wiederbesiedelt werden.
Die dank dünner Humusschicht und trockenem Untergrund außerordentlich blütenreichen Berg-Magerwiesen bieten mehr als 300 Schmetterlings- und Wildbienenarten, viele davon auf der Roten Liste (RL) Deutschland und RL Thüringen, einen unersetzlichen und vielerorts schon verschwundenen seltenen Lebensraum.
Blütenpracht auf unseren Bergwiesen – Lebensraum für eine Vielzahl von Schmetterlingen und Wildbienen © SPA
Mehr als 4 Jahre haben wir um den Kauf von 12,8 Hektar Bergwiesen und Gipskarst-Trockenrasen in der Rüdigsdorfer Schweiz im Südharz bei Nordhausen gerungen. Auf den zu DDR-Zeiten als Polizei-Übungsplatz genutzten Flächen wachsen wegen der vorübergehenden landwirtschaftlichen Nicht-Nutzung artenreiche Gipskarst-Magerwiesen mit einer unglaublichen Vielfalt an Blütenpflanzen. Diese bieten mehr als 300 tag- und nachtaktiven Schmetterlingsarten, viele davon auf der Roten Liste (RL) Deutschland und RL Thüringen, einen wertvollen unersetzlichen Lebensraum. Die Nachtfalter wiederum sind eine perfekte Nahrungsbasis für mehrere Fledermausarten, die hier in großer Individuen-Zahl vorkommen.
Zum Schutz und Erhalt der Berg-Magerwiesen mit ihrer Blütenpflanzenvielfalt lassen wir unsere Bergwiesenflächen von einem Schäfer mit seinen bis zu 300 Schafen und einzelnen Ziegen in Form einer Hute-Beweidung (von Hütehunden in Bewegung gehaltene Weidetiere) einmal im Jahr nach der Blüte und Aussamungszeit beweiden. Die Schafe verbringen die Nacht in einem mobilen Pferch. Die Hute-Beweidung verhindert die Verbuschung der Magerrasenflächen, reduziert die Biomasse auf den Wiesenflächen und verhindert die Düngung der Wiesenflächen mit Schafmist.
Tierische Landschaftspfleger helfen beim Erhalt artenreicher Bergblumenwiesen © SPA
Für den Fall einer neuerlichen ggfs. gerichtlich erreichten Gipsabbaugenehmigung am Winkelberg im NSG Rüdigsdorfer Schweiz werden wir unsere artenschützenden Eigentums-Interessen für diesen bundesweit gefährdeten Biotop-Typ und die RL-Artenvielfalt von Insekten wirkungsvoll zu vertreten wissen.
Wildkatze, Großes Mausohr, Grünspecht, Neuntöter, Schwalbenschwanz und 300 weitere Schmetterlingsarten
Wildkatze
© H. Grabe
Grünspecht
© Leo/fokus-natur
Neuntöter
© Leo/fokus-natur
Großes Mausohr
© Leo/fokus-natur
Schwalbenschwanz
© SPA
Schachbrettfalter
© SPA
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Unsere Stiftung pflegt (schneitelt) nun schon im 7. Winterhalbjahr in Folge zum Schutz und der Förderung des kleinen Steinkauzes erneut mehrere hundert Kopfweiden in den Landkreisen Paderborn, Gütersloh und Soest... mehr Informationen
Unser Steinkauz-Projektkoordinator Herbert kennt inzwischen hunderte Bauernhöfe, deren Eigentümer und die dort noch stehenden Kopfweiden. Und er weiß, ob dort noch Steinkäuze vorkommen oder dort früher welche lebten … zum Projekt
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