Landkauf-Projekt: Obersdorfer Vorder- und Hintersee
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Der Obersdorfer Vordersee mit ca. 64,0 ha Fläche und der Obersdorfer Hintersee mit ca. 13,0 ha Fläche im Landkreis Märkisch-Oderland sind Flachseen mit Wassertiefen von 6 m bis 40 m.
Im Obersdorfer Vordersee liegen 3 kreisförmige mit Laubmischwald bestandene und noch weitgehend naturnahe und ungestörte Inseln. Entlang der Seeufer besteht in weiten Uferabschnitten ein Röhrichtsaum von 1 m bis 3 m Breite.
Der Obersdorfer Hintersee ist eingerahmt von Röhrichten, Erlenbruchwald, angrenzenden Feuchtwiesen und bewirtschaftetem Grünland.
Blick nach Osten über nördlichen Teil des Obersdorfer Vordersee © SPA
Blick nach Süden über den Obersdorfer Hintersee © SPA
Der Vordersee ist bis auf kurze Uferabschnitte eingerahmt von einem schmalen Laubmischwald-Gürtel, der aus Eschen, Linden, Ulmen und Eichen besteht. Nur geschützt von einem bis zu 20 m breiten Gehölzsaum, grenzen auf der Nordseite des Hintersees flächenhaft monostrukturierte landwirtschaftlich intensiv genutzte Ackerflächen an.
Mischwald-Saum entlang des Nordteils des Vordersees © SPA
Feuchtwiesenlandschaft um Obersdorfer Hintersee © SPA
Monostrukturierte Agrarlandschaft nördlich des Obersdorfer Hintersees © SPA
Die brachten zu DDR-Zeiten mit ihren durch Nährstoffe stark belasteten Bächen und Entwässerungsdrainagen und deren hohen Stickstofffrachten (Gülle) für viele Jahre den Erstickungstod des Vordersees. Der war im Jahr 1964 „ausgestickt“ und wurde von den damaligen Bezirksbehörden zur „Gülle-Hochlastfläche“ erklärt. Der Vordersee benötigte 4-5 lange Jahre, um sich von dieser menschenverursachten Vergiftung zu erholen und allmählich wieder ein naturnaher intakter Wasser-Lebensraum zu werden.
Blick nach Westen über den Obersdorfer Vordersee © SPA
Beide Seen liegen im Landschaftsschutzgebiet (LSG) Naturpark Märkische Schweiz, Landkreis Märkisch-Oderland (MOL), Brandenburg, und haben den Schutzstatus eines FFH-Gebiets (Flora-Fauna-Habitat), was aber deren Nutzung zum Baden, Angeln und Bootfahren nicht ausschließt! Die für das Wohl der Natur und Artenvielfalt kritische und allesentscheidende Frage ist immer die der Intensität der Nutzung. Süßwasser-Seen sind hochsensible Lebensräume, die auf Nutzung durch den Menschen sehr schnell reagieren: auf Unruhe auf dem See mit der Flucht der Wasservögel, auf Nutzung der Schilf- und Uferbereiche mit Aufgabe und Verlust der Nist-, Brut- und Versteckplätze vieler Wildtierarten und auf sich verschlechternde Wasserqualität mit dem Niedergang der Lurch-, Reptilien- und Fischwelt.
Solange der kleine Badestrand an dem einzigen öffentlich zugänglichen Uferbereich des Obersdorfer Vordersee ausschließlich von der örtlichen und/oder regionalen Bevölkerung genutzt wird, kann der Vordersee und die dort vorkommende Artenvielfalt an Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien die aus dem Badebetrieb resultierenden Störungen und Belastungen kompensieren.
Graugänse auf dem Vogelzug fliegen zur Rast in den Obersdorfer Vordersee © SPA
Höckerschwäne auf dem Obersdorfer Vordersee © SPA
Graukraniche am Schlafplatz © A. Kneifel
Dringend geklärt werden müssen die wasserrechtlichen Grundlagen, auf denen an den Vorder- und Hintersee angrenzende Landwirtschaftsbetriebe und von an den Vordersee angrenzenden Privatgartenbesitzern offiziell und teils auch inoffiziell regelmäßig Wassermengen entnommen werden.
Solange unser Seepächter und Fischereimeister Artur mit seinem Sohn den offiziell genehmigten und nachhaltig ausgeübten Fischfang auf dem Vordersee aktiv betreibt und die Vergabe von Fischereikarten weiterhin beschränkt, ist uns um das Gleichgewicht des Fischbestands nicht bange. Allerdings schädigt der weithin unkontrollierte Angelbetrieb am Vordersee, der zu illegaler Bootsnutzung, illegalem Zelten und Biwakieren führt, insbesondere die Schilf- und Röhricht-Biotope (Ufersaum-Zonen) und damit einhergehend auch die auf diesen Lebensraum zum Überleben angewiesenen Vogelarten wie z. B. Rohrdommel und Teichrohrsänger.
Diese Missstände zu beenden hat für uns als Eigentümerin der Seeflächen und der angrenzenden bewaldeten Uferbereiche in enger Zusammenarbeit mit der dort für den Naturschutz zuständigen Behörde, dem Landesamt für Umwelt (LfU) Brandenburg und für unseren Fischereipächter hohe Priorität.
Für die Zukunft planen wir mit Unterstützung von Fischexperten insbesondere im Vordersee eine allmähliche Umstrukturierung der Artenstruktur der Fischfauna einzuleiten.
Roland Tischbier (re.) trifft Fischereimeister Artur (li.) am Obersdorfer Vordersee © SPA
Der zunehmende Niederschlagsmangel der letzten Jahre führt auch im nordöstlichen Teil Brandenburgs zum Absinken der Wasserstände in den eiszeitlich geprägten Süßwasserseen. Um bis zu 0,50 m abgesunkene Wasserstände sind dort keine Seltenheit. Davon sind der absinkende Wasserspiegel des Vordersees und des Hintersees gottlob noch ein wenig entfernt... aber auch der „nur“ um ca. 0,30 m abgesunkene Wasserstand bedeutet gesamthaft 231.000 m³ weniger Wasser in den beiden Seen!
Erhalt und auch zukünftige Sicherstellung der relativen Ruhe und Ungestörtheit dieses Seen-Komplexes einschließlich der Ufersaum-Röhrichte und der baumbestandenen Ufer; Beendigung ungenehmigter Wasserentnahmen aus dem Vordersee; Biotop-Aufwertung mindestens einer Insel im See durch Errichtung einer Fischadler-Nestplattform.
Dies sicherzustellen, ist auch Aufgabe unseres See-Pächters, des Fischereimeisters Artur und seines Sohnes, die die beiden Seen schon seit Jahrzehnten kennen und ein wachsames Auge darauf haben, dass den dort geltenden FFH-Schutzgebiets-Regelungen und unseren Artenschutz-Projektzielen möglichst nichts zuwiderläuft.
Eisvogel auf Hinweisschild © A. Kneifel
Nach kurzen aber intensiven Grundstücksverhandlungen, dem Austausch von Artenbestandsinformationen und einem ausgiebigen Ortstermin an den Obersdorfer Seen kamen wir zu einer positiven Einschätzung des ökologischen Wertes dieser Immobilie und damit zugleich zu einer zeitnahen Entscheidung, diesen Seenkomplex mit seinen ca. 79,0 ha Gesamtfläche durch Kauf in das Eigentum unser Stiftung zu überführen.
Mit unserem geplanten Zukauf weiterer Feuchtwiesen und Grünlandflächen zwischen Vordersee und Hintersee sowie angrenzendem Erlenbruchwald wollen wir dort die seenahe Flächennutzung weiter reduzieren und damit den Schilf und Röhricht bewohnenden Vogelarten wie Rohrschwirl, Schilfrohrsänger, Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger, Drosselrohrsänger, Rohrammer und Rohrweihe zusätzlichen, andernorts selten gewordenen Lebensraum auch für eine erfolgreiche Brut und Jungenaufzucht schenken.
Fischotter mit Beute © L. Hlasek
Fischadler (Nahrungsgast) im Jagdglück © A. Kneifel
Zwergtaucher füttert Junges © A. Kneifel
Rothalstaucher-Paar bei der Balz © A. Kneifel
Davon würde auch der Kuckuck profitieren, der als Verlierer des Klimawandels immer öfter das Nachsehen hat, weil seine Wirtsvögel zunehmend früher aus ihren Winterquartieren zurückkehren.
„Wirtsvogel“ Teichrohrsänger
© L. Hlasek
Junger Kuckuck im Rohrsängernest
© L. Hlasek
„Wirtsvogel“ Drosselrohrsänger
© L. Hlasek
Deren Brutgeschäft ist bei Eintreffen des Kuckucks Anfang bis Mitte Mai zunehmend schon so weit fortgeschritten, dass Jungvögel im Nest sitzen und das ins fremde Nest gelegte Kuckucks-Ei nicht mehr bebrütet wird.
Fischotter, Rohrdommel, Bekassine, Flussseeschwalbe, Eisvogel, 4 Rohrsänger-Arten, Schnatterente, Krickente, Reiherente, Schellente, Fischadler (Nahrungsgast), Seeadler (Nahrungsgast)
Bekassine
© Pröhl/fokus-natur
Flussseeschwalbe
© Leo/fokus-natur
Eisvogel
© Dr. P. Wernicke
Schellente
© U. Nielitz
Krickente
© Pröhl/fokus-natur
Schnatterente
© Leo/fokus-natur
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