Landkauf-Projekt: Wiesmahd bei Bad Kohlgrub
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Die Ammertaler Alpen und das obere Ammertal sind bekannt für ihre traumhaften Wiesmahd-Landschaften, die aus Berg- und Streuwiesen bestehen. Ganz vereinzelt sind auch in den Randbereichen des Murnauer Moos noch solche kleinteiligen Wiesmahd-Flächen zu finden. Diese blühenden Streuwiesen sind wahre Schatzkästchen der Natur mit einer Artenvielfalt von Flora und Fauna, wie sie fast überall in der intensiv bewirtschafteten voralpinen Kulturlandschaft längst verschwunden ist.
Arnika, Knabenkräuter, Enziane, Teufelskralle, Prachtnelke, Bergklee, Fingerkraut – eine Vielzahl von Blütenpflanzen, die auf den Wiesmahd-Streuwiesen im Alpenvorland noch wachsen, zählen zu den gefährdeten „Rote Liste“-Arten. Diese blütenreichen Streuwiesen bieten zugleich hunderten von Insekten wie Wildbienen, Heuschrecken, Käfern, Spinnen und Ameisen im Pflanzenteppich der Gräser- und Kräutervielfalt einen optimalen Lebensraum.
Sommerlicher Wiesmahd © SPA
Die heutigen intensivierten bäuerlichen Landnutzungsformen auch im voralpinen Grünland kommen ohne Düngung zur Erhöhung der Biomasse und ohne mehrmaligem Grünschnitt zur Heugewinnung nicht mehr aus.
Wo Nutztierhaltung betrieben wird, stehen zu viele Tiere (Großvieh-Einheiten) auf der Fläche, verdichten die Böden und unterdrücken mit ihrem Fressverhalten die Artenvielfalt an Gräsern und Blütenpflanzen. Als Folge erlischt die natürliche Vielfalt an Insekten und Kleinlebewesen.
Beides bedeutet die unwiederbringliche Zerstörung und damit das Ende der Streuwiesen.
Was die Wiesmahd-Flächen ökologisch so einzigartig macht sind der jahrhundertelange Verzicht auf Düngung wegen der Kleinflächigkeit und abseitigen Lage und der Umstand, dass die Wiesmahd-Flächen wegen der Magerwüchsigkeit nur einmal im Jahr gemäht und das Schnittgut als Heu von der Fläche genommen wird. Die Mahd erfolgt traditionell frühestens ab Mitte Juli. Der späte Schnitt ermöglicht es den Blütenpflanzen und Gräsern, ihre Samen abzuwerfen, bevor der Schnitt erfolgt und das Heu eingebracht wird.
In der heutigen Zeit des rasanten Artenverlusts lohnt es sich, solche einzigartigen Artenparadiese fast um jeden Preis zu erhalten und wenn nötig durch Flächenkauf zu retten.
Eine solche finanzielle Wiesmahd-Rettungsaktion zur Verhinderung einer geplanten Wiesmahd-Umnutzung haben wir unter großem Zeit- und Entscheidungsdruck im Frühjahr 2020 auf Basis eines Artenbestands-Gutachtens der UNB des Landkreis Garmisch-Partenkirchen erfolgreich durchgeführt. Dabei mussten wir lernen zu akzeptieren, dass einzigartige Artenparadiese in der heutigen Zeit ihren Preis haben...
Unsere Wiesmahd-Stiftungsflächen vor den Hörnle-Bergen © SPA
Der aber relativiert sich dann doch wieder, wenn wir voller Stolz und Freude feststellen können, dass sich auf unserer gut 1,3 ha (13.000 m2) großen Wiesmahd-Fläche mit 0,3 ha angrenzendem Mischwald und Bachlauf mehr als 15 Schmetterlingsarten, viele davon auf der „Rote Liste Bayern“, der „Rote Liste Deutschland“ und der FFH-Anhangliste bedrohter Insektenarten, ein Stelldichein geben.
Für die zukünftige biotopangepasste Pflege der Wiesmahd haben wir mit einem regionalen Bio-Landwirt, der ein insektenschonendes Mähgerät einsetzen kann, einen entsprechend ausgestalteten Pachtvertrag abgeschlossen.
Wiesmahd: Wildblumen- & Schmetterlingsparadies © SPA
Blütenreichtum auf voralpiner Wiesmahd © SPA
Wiesmahd Mitte August nach Mahd und Heuernte © SPA
Vögel: Baumpieper, Braunkehlchen, Neuntöter, Wiesenpieper
Wiesenpieper
© Leo/fokus-natur
Braunkehlchen
© Dr. P. Wernicke
Tagfalter: Abbiss-Scheckenfalter, Riedteufe, Heilziest-Dickkopffalter, Mädesüß-Perlmuttfalter, Natterwurz-Perlmuttfalter, Braunfleckiger Perlmuttfalter, Wachtelweizen-Scheckenfalter, Baldrian-Scheckenfalter, Schlüsselblumen-Würfelfalter, Rotkleebläuling, Storchschnabelbläuling, Argusbläuling, Enzian-Ameisenbläuling, Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Lilagold-Feuerfalter
Braunfleckiger Perlmuttfalter
© L. Hlasek
Rotkleebläuling
© L. Hlasek
Wachtelweizen-Scheckenfalter
© Leo/fokus-natur
Abbiss-Scheckenfalter
© L. Hlasek
Baldrian-Scheckenfalter
© L. Hlasek
Lilagold-Feuerfalter
© L. Hlasek
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
© Leo/fokus-natur
Heilziest-Dickkopffalter
© L. Hlasek
Heuschrecken: Warzenbeißer
Reptilien: Kreuzotter, Ringelnatter
Hervorzuhebende Pflanzenarten: Knollen-Kratzdistel, Breitblättriges Knabenkraut, Borstgras, Sumpf-Läusekraut, Mehlprimel
Breitblättriges Knabenkraut
© SPA
Mückenhändelwurz
© SPA
Teufelskralle
© SPA
Trollblume
© SPA
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